Inklusion im Berufsleben

In der Woche vom 28. Januar bis 01. Februar 2019 fanden für die 10. Klassen des Friderico-Francisceum-Gymnasiums Bad Doberan die Tage rund um das Berufsleben statt.

Inklusion ist kein Beruf, aber eine Haltung, wie Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Lebensbedingungen im gesellschaftlichen Leben und damit auch im Berufsleben integriert sind und werden. Als berufstätige Frau mit gesetzlich anerkannter Behinderung „Erblindung“ entschloss ich mich mit den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen über Inklusion im Arbeitsleben zu unterhalten, denn sie sind die zukünftigen Unternehmerinnen und Unternehmer und die zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen. Wenn es gelingt die einfache Botschaft der Inklusion: „Jeder gehört ganz natürlich dazu. Alle dürfen mitmachen und mitgestalten“ zu vermitteln, dann wird es zukünftig immer selbstverständlicher, dass Menschen mit und ohne gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und Menschen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten ganz normal miteinander leben, lernen und gesellschaftliches Leben und damit auch Berufsleben gemeinsam gestalten. Unter Einbeziehung der UN-Behindertenrechtskonvention in Verbindung mit der UN-Menschenrechtskonvention, dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, dem Sozialgesetzbuch IX (Rehabilitation) und den dazugehörenden Sozialgesetzbüchern der Leistungsträger gab ich einen theoretischen Einstieg in das Thema. Viel interessanter waren jedoch die praktischen Beispiele, wie Inklusion bereits erfolgreich umgesetzt wird und in welchen Bereichen es oft noch schwierig ist. Ich berichtete sehr anschaulich, wie ich mich nach dem Besuch einer behüteten besonderen Schule für Menschen mit Erblindung und Sehbehinderung ins Studienleben getastet habe an einer Fachhochschule, wie ich mich mit Hilfsmitteln, wie einem Diktiergerät erfolgreich an den Vorlesungen beteiligt habe, wie interessant es war, dass in unsere Studiengruppe erstmalig auch gehörlose Mitstudierende integriert wurden. Sie benötigten eine ganz andere Art der Unterstützung. Ich berichtete, wie schwer es war, Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass ich meinen Beruf genau so gut ausüben kann wie Kolleginnen und Kollegen ohne Behinderung und erläuterte, dass ich mit einem Laptop mit besonderen Programmen für Menschen mit Sehbehinderung auch die erforderliche Dokumentation erledigen kann, die in meiner Beratungsarbeit als Sozialarbeiterin erforderlich ist. Ich verdeutlichte, dass der technische und digitale Fortschritt eine besondere Bereicherung für Menschen mit Sehbehinderung/Erblindung ist, weil damit die Erschließung von Informationen einfacher geworden ist. Die wichtigste Frage, die ich den Schülerinnen und Schülern stellte ist: Wer setzt sich für die Menschen mit unterschiedlichsten Unterstützungsbedarfen ein? Eine UN-Konvention, egal welche, ein Sozialgesetz, egal welches, muss umgesetzt und gelebt werden. Ohne Interessenvertretungen ist die Umsetzung Einhaltung von Rechtsgrundlagen nicht denkbar. Ich berichtete den Schülerinnen und Schülern, dass ich Mitglied in der Interessenvertretung für Menschen mit Sehbehinderung/Erblindung im Blinden- und Sehbehindertenverein, Gebietsgruppe Bad Doberan, bin. Ich konnte verdeutlichen, dass das Engagement im Kleinen beginnt und wir in unserer Region Menschen ehrenamtlich beraten und begleiten, die von zunehmender Sehbehinderung oder von Erblindung betroffen sind. Die Beratungsarbeit umfasst das gesamte gesellschaftliche Leben und eben auch die Teilhabe am Berufsleben. Neben den technischen Hilfsmitteln, die ich zur Unterstützung meines Alltags und meines Berufsleben benutze, interessierten sich die Jugendlichen für das einzige lebendige Hilfsmittel, welches gesetzlich anerkannt ist und als Hilfsmittel von den Krankenkassen finanziert wird, der Blindenführhund. Mein Blindenführhund, der während der gesamten Vortragszeit und Gesprächszeit entspannt neben mir lag, wurde zum Mittelpunkt. Nachdem die Jugendlichen einem kurzen geschichtlichen Exkurs in die über 100-jährige Geschichte des Blindenführhundes folgen durften, entließ ich meinen Blindenführhund am Ende der Veranstaltung kurz aus seinem Dienst und gab eine große Streichelrunde. Gerne engagieren sich die Mitglieder der Gebietsgruppe Bad Doberan des Blinden- und Sehbehindertenvereins auch zukünftig in den Schulen unserer Region, um für Verständnis und Miteinander zu werben und sehbehinderte und blinde Menschen in der Region zu vertreten.

Katharina Odening
Gebietsgruppe Bad Doberan